Pseudonym: F / 1996   
  Datum Frage: 05/07/2010  
  Thema: Wohlsein  
  Themenbereich: Konflikte + Krisen  
  Titel: Krise: Alles ist so schwierig  
  Frage: Hallo, ich habe das Problem, dass ich keine richtigen Freunde hab, meine Leistungen in der Schule haben sich verschlechtert und ich habe nur Stress in der Familie. Wegen den Freunden hab ich schon alles versucht, ich bin zu allen nett gewesen, aber sie akzeptieren mich immer noch nicht, so wie ich bin. Ich gebe in der Schule alles und trotzdem bekomme ich immer schlechtere Noten. Und meine Eltern verstehen nicht, dass ich jetzt in der Pubertät bin. Ich fühle mich so schlecht und war schon bei einer Fachperson, doch die hat mir nicht sonderlich geholfen. Vielen Dank für die Hilfe!  
       
  Antwort: Liebe French13

Vielen Dank für deine Offenheit und dein Vertrauen. Es wird dich wahrscheinlich wenig trösten: Doch solche Phasen, in welchen man das Gefühl hat, die ganze Welt hätte sich gegen einen verschworen, haben tatsächlich auch viel mit dem momentanen Lebensabschnitt zu tun, in welchem du dich befindest - nämlich der Pubertät. Eine Zeit, welche nicht nur körperliche Veränderungen zur Folge hat, sondern sie beeinflusst auch den emotionalen Zustand und das Sozialverhalten der Jugendlichen. Während die körperlichen Veränderungen gut sichtbar sind, gibt es aber auch Veränderungen im Gehirn, die nicht sichtbar sind. Hast du gewusst, dass mit dem Beginn der Pubertät Bereiche in deinem Gehirn komplett "umgebaut" werden? Alte Verbindungen zwischen Nervenzellen werden gekappt, neue Verbindungen entstehen.
So erklären sich auch das typisch pubertäre Verhalten und das Gefühlschaos vieler Jugendlicher in dieser Zeit. Stichworte sind etwa: Launenhaftigkeit, depressive Gefühle, Trotz, Konzentrationsschwächen, Unberechenbarkeit oder Lernprobleme. All dies können eben direkte oder indirekte Folgen der Umbaumassnahmen im Gehirn sein.
Kommt hinzu, dass in dieser Zeit auch noch das Hormonniveau in deinem Körper grossen Veränderungen unterworfen ist. Und schliesslich sind es eben auch schwierige Aufgaben, die ein Jugendlicher, eine Jugendliche in der Pubertät bewältigen muss. Wie beispielsweise das Gefühlschaos der ersten Liebe, Probleme mit den Veränderungen des Körpers, Ablösung von den Eltern, Selbstwertprobleme oder die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Du siehst, die Pubertät/Spätpubertät ist wirklich keine einfache Zeit, sondern ziemlich anforderungsreich. Wenn du dich dazu noch mehr informieren willst, findest du unter den folgenden Links noch weitere gute Infos:

http://www.psychology48.com/deu/d/pubertaet/pubertaet.htm

http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/familie/pubertaet/index.jsp

Das heisst nun also, dass ein Teil deiner aktuellen Gefühle mit der Lebensphase zu tun haben könnte, in welcher du dich befindest.

Doch dies heisst nun natürlich nicht, dass man dies einfach als "gegeben" hinnehmen muss. Nein, es ist sogar sehr wichtig, dass man versucht, etwas an der Situation zu ändern. Dazu ist es wichtig, dass du das Gespräch mit jenen Personen suchst, die dir beim Lösen dieser Schwierigkeiten helfen können:

Da ist sicher mal die Familie: Gut möglich, dass sie momentan mit dir Mühe haben. Versuche doch mal mit ihnen in einer ruhigen Phase (nicht während eines Streits, sondern wenn alles mal ziemlich ruhig läuft) zu sprechen. Du könntest sagen, dass es dir ein Anliegen wäre, dass es Zuhause wieder besser läuft. Und dann könntest du sie fragen, ob ihr alle (Eltern plus du) nicht mal zusammensitzen könnt und gemeinsam nach Lösungen suchen könntet - denn wie gesagt, wahrscheinlich sind auch sie an Lösungen interessiert, damit es wieder besser läuft.

Und die zweite Person wäre dein Lehrer/deine Lehrerin: Frage deine Lehrperson doch mal, ob sie nach dem Unterricht noch Zeit hätte für ein Gespräch. Dort wäre es dann wichtig, dass du offen und ehrlich bist. Du könntest gerade beide Themen ansprechen: Einerseits deine Schulleistungen. Die Lehrperson sieht dich jeden Tag in der Schule und kann dir sicher wertvolle Tipps geben, was du ändern könntest. Sei dies in den Lernmethoden oder ob sich zum Beispiel Nachhilfe-Unterricht lohnen würde.
Andererseits könntest du auch das Thema ansprechen, dass die anderen dich nicht so akzeptieren, wie du bist. Zudem hat eine Lehrperson die Möglichkeit, dieses Thema auch mal in der Schule zu thematisieren. Du musst übrigens nicht Angst haben, dass du damit nur alles noch schlimmer machst und du dann als "Petze" dastehst. Denn eine Lehrperson hat die Möglichkeit, ein solches Thema zu "verpacken". Das heisst, sie bespricht bspw. dann mal das Thema "Toleranz und Respekt" mit euch. Die Lehrperson kann dann sagen, dass sie gewisse Dinge in eurer Klasse von sich aus bemerkt hat und die mit euch besprechen will. Dazu muss nicht mal dein Name fallen!

Also: Versuche doch, einfach mal ganz ehrlich und offen sowohl mit Eltern wie auch mit der Lehrperson zu sprechen. Stehe du deinem Empfinden und frage sie, ob sie dir beim Lösen dieser Probleme nicht helfen könnten.

Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und hoffe fest, dass es dir bald wieder besser geht und du den Mut findest, sowohl mit Eltern als auch mit der Lehrperson offen zu sprechen. Dein Tschau