Pseudonym: M / 1988   
  Datum Frage: 14/06/2010  
  Thema: Wohlsein  
  Themenbereich: Bewegung  
  Titel: Die höchste Leistung erreichen  
  Frage: Hi Mir ist aufgefallen, dass, wenn ich Sport treibe, (>3 mal pro Woche) stets die höchste Leistung erreichen will, sprich: Ich will stets besser als die anderen sein im Sport, einfach nur ultimativ. Doch hier kommt das Problem, dass ich's trotz intensivem Training nicht recht packe. Mein Konkurrenzdenken ist viel zu stark ausgeprägt. Ich schätze mich auch nicht, wie ich bin, weil ich stets stärker, schneller, sportlicher und intelligenter als die anderen sein will. Wenn ich oft diese Sportler sehe, dann denke ich automatisch: Ich will auch so sein wie die. Ich weiss, es ist nicht sonderlich gesund, seinen Körper mit masslosem Training zugrunde zu richten, aber ich kann einfach nicht anders. Habt ihr Tipps, wie man sich besser selbst schätzt? Ich danke euch für die Antwort  
       
  Antwort: Lieber Tiger23

Toll, dass du dich in dieser Beziehung so selbstkritisch betrachtest. Wie du wahrscheinlich weisst, gibt es ganz viele andere Leute auch, die ein ähnliches Denken in sich haben und stets noch bessere Leistungen von sich verlangen. Das hat verschiedene Ursachen; sicher hat dies aber auch mit den Charakereigenschaften dieser Personen zu tun. Doch nicht alle haben dann die Fähigkeit, dies so selbstkritisch zu sehen, wie du dies in deiner Frage machst. Dieses Verhalten mal kritisch zu hinterfragen, ist also sicher schon mal ein erster Schritt. Denn wie du weisst, gibt es ja verschiedene Gründe, wieso man dies doch auch kritisch betrachten kann. Da ist beispielsweise einerseits der körperliche Gesundheitsaspekt, dass man seinen Körper nicht masslos überfordern sollte. Andererseits, so sehen es zumindest Kritiker, stellt sich ja die Frage nach dem Sinn: Kritische Stimmen meinen, dass man durch immer bessere Leistungen versucht, Glücksmomente zu erhaschen. Also wenn man seine Joggingrunde unter 30 Minuten macht, dass sich dann kurzfristig Glücksgefühle einstellen. Doch die halten dann eben in der Regel nicht lange; dann muss es als nächstes schon unter 29 Minuten sein etc.
Gewisse Leute interpretieren dies also, dass man stets auf der Suche ist nach solchen Glücksmomenten. Doch die Frage ist, ob es nicht auch schon für gute Gefühle reicht, wenn man sich einfach "normal" bewegt und Sport macht - ohne dieses übertriebene Konkurrenzdenken. Eben weil man sich bewusst ist, dass man weder sich noch den anderen etwas beweisen muss. Auch weil man weiss, dass man auch mit einer "mittelmässigen" sportlichen Leistung ein toller Mensch ist. Beispielsweise weil man auch von anderen immer wieder hört, dass sie einem schätzen. Vorschlag: Mache doch mal eine Liste und schreibe all jene Dinge auf, die du selber an dir schätzt und bei denen du denkst, dass sie auch die anderen schätzen werden. Auf dieser Liste müsste sicher mal stehen, dass du die Fähigkeit besitzt, dich auch selbstkritisch zu betrachten; viele Menschen haben diese Fähigkeit nicht. Wenn du willst, so frage doch auch mal in deinem Umfeld, was die Leute an dir schätzen.

Wer weiss, wenn du dann eine ziemlich lange Liste hast mit Eigenschaften, dann kann das auch einen Teil dazu beitragen, dass du merkst, dass du gar niemanden etwas beweisen musst. Dass der X vielleicht besser ist im Sport, dass du ja aber dafür auch noch ganz andere Eigenschaften zu bieten hast.

Alles Gute und ein lieber Gruss, dein Tschau