Pseudonym: M / 1995   
  Datum Frage: 13/05/2010  
  Thema: Sucht + Drogen  
  Themenbereich: Cannabis  
  Titel: Warum will ich ab und zu kiffen?  
  Frage: Liebes Tschau-Team, Ich rauche etwa pro Monat 2-3 Joints, meistens wenn ich mit meinen Kumpels unterwegs bin. Ansonsten gar nicht, vorallem über die Woche wo ich Schule habe konsumiere ich nie Marihuana. Das Problem: Ich will eigentlich keine Joints anzünden, aber wenn jemand meiner Kollegen einen dabei hat, mach ich meistens auch mit. Nicht weil ich "dazu gehören" will, den meine Kollegen akzeptieren dass vollständig wenn ich manchmal nein sage. Es ist eher dass ich anzünden WILL. Es ist keine richtige Sucht, da ich in der Zeit wo keiner in meinem Umfeld Marihuana hat gar nicht daran denke oder denke "ich will/muss einen Joint anzünden". Aber trotzdem, nachdem rauchen fühle ich mich dann schlecht und frage mich "warum?!". Eine schlimme Situation, auch wenn es nur 2-3 Mal im Monat ist. Die Zeit wo ich high bin ist es okay, aber danach hab ich Schuldgefühle und ich komme mir merkwürdig vor. LG qwerty  
       
  Antwort: Lieber qwerty

Es ist toll, dass du dein Verhalten so selbstkritisch hinterfragst. Und es ist sicher auch sehr gut, dass du unter der Woche nie kiffst.

Wir können natürlich nur spekulieren, wieso du dann dem Marihuana ein paar Mal pro Monat nicht widerstehen kannst. Doch gut möglich, dass du dann einfach das Bedürfnis hast, mit deinen Kollegen für eine gewisse Zeit "high" zu sein, und in einem gewissen Sinne auch die Alltags-Sorgen zu vergessen, sich entspannt zu fühlen.

Wie du aber wahrscheinlich selbst weisst, ist kiffen eben ja nicht harmlos und unproblematisch. Weil du das weisst, hast du wahrscheinlich danach auch dieses schlechte Gewissen, diese schlechten Gefühle.

Wie könntest du das in Zukunft umgehen? Drei Vorschläge:
Du suchst dir etwas, das dir ähnliche Gefühle vermittelt und dich entspannt. Zum Beispiel gibt es Jugendliche, die mal gekifft haben, und nun eine sportliche Aktivität entdeckt haben, welche sie völlig entspannt und bei welcher sie alles andere vergessen können. Zum Beispiel in einer Kletterhalle beim Klettern. Oder dass sie sich ein Mountain-Bike organisiert haben und dann im Wald bei einer Abfahrt alles andere vergessen und danach völlig zufrieden und entspannt sind. Dies sind nur zwei Beispiele. Überlege dir mal, ob es nicht etwas geben könnte, das dir entsprechen würde.

Der andere Tipp ist, dass du solchen Situationen, in welchen gekifft wird, bewusst aus dem Weg gehst. In 90 Prozent der Zeit, in welcher du etwas mit deinen Kollegen unternimmst, wird Kiffen ja kein Thema sein. Doch wahrscheinlich weisst du genau, in welchen Situationen oder an welchen Orten ihr dann zusammen kifft. Du könntest versuchen, diesen Situationen bewusst aus dem Weg zu gehen. Wenn ihr also beispielsweise den Tag zusammen verbracht habt und den Tag dann bei einem Joint ausklingen lassen wollt, dann kannst du dich bei dieser letzten Sequenz einfach ausklinken und schon nach Hause gehen. Oder wenn ihr jeweils beim Kollegen X kifft, dass du dann bewusst nicht mehr zu ihm gehst, sondern deine Kollegen erst nachher wieder triffst.

Wahrscheinlich wird dieses Fernbleiben von deinen Kollegen für dich aber nicht einfach sein. Deshalb könntest du mit ihnen auch mal offen über deine Situation und die Schuldgefühle sprechen. Sage ihnen doch offen, dass du eigentlich lieber nicht mehr kiffen möchtest und ob sie dir nicht dabei helfen könnten. Zum Beispiel indem sie dir keinen Joint mehr anbieten oder dich in der Situation X auch daran erinnern, dass du nun lieber nicht kiffen solltest.

Zum Schluss noch zwei Links zum Thema Kiffen. Vielleicht hast du Lust, sie mal durchzulesen:
http://www.bravo.de/online/render.php?render=1613
http://www.sfa-ispa.ch/DocUpload/flyer_Cannabis_D.pdf

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg und grüsse dich herzlich, dein Tschau